Bier schützt vor Arterienverkalkung und Herzinfark

Schon vor 500 Jahren hat Paracelsus seinen Patienten geraten "Allein die Menge macht´s, ob etwas zum Schaden oder Nutzen gebricht." Diese Weisheit ist heute noch immer aktuell. Es steht außer Zweifel, dass man seine Gesundheit durch große Mengen Alkohol – in welcher Form auch immer – ruinieren kann. Weniger bekannt ist hingegen die Tatsache, dass Alkohol - in vernünftigen Mengen genossen – die Gesundheit und das Wohlbefinden sogar fördern kann.
Der mäßige Genuss von Bier hat dieselbe gefäß- und herzschützende Wirkung wie andere alkoholische Getränke. Denn das, was wirkt, ist in erster Linie der Alkohol. Dieser hemmt die Verkalkung der Blutgefäße (Arteriosklerose), indem er den Cholesterinstoffwechsel günstig beeinflusst. Die Folge: Es kommt seltener zu Herzinfarkten und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen; und zwar - wie eine neue Studie der US-amerikanischen Forschergruppe um J. M. Gazlano bestätigte - unabhängig von der Art des alkoholischen Getränkes [Gaziano JM et al., Am J Cardiol1(1999)52-7].
Zahlreiche internationale Studien zeigten in der Vergangenheit – meist im Zusammenhang mit der sog. "Mittelmeerdiät" - dass der moderate Genuss von Alkohol eine deutliche antiatherosklerotische Wirkung hat. Dies gilt aber nicht nur für Rotwein, sondern auch für Bier, das als "Nationalgetränk der Deutschen" angesehen wird. Zu diesem Schluss kam Prof. Dr. Ulrich Keil, der an der Universität Münster, Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin, eine Studie durchführte, die in „Epidemiology“ veröffentlicht wurde. Bei der Auswertung der erhobenen Daten zeigte sich, dass Biertrinker im Vergleich mit Personen, die keinen Alkohol trinken, nur halb so viele Herzinfarkte erleiden.
Doch in welcher Art und Weise wird z.B. durch den Genuss von Bier der Cholesterinstoffwechsel verändert? Durch den Alkohol wird die Zahl der "Cholesterintransporter" erhöht, die überschüssiges Cholesterin aus den Zellen und aus bereits vorhandenen Ablagerungen in den Blutgefäßen aufnehmen und entsorgen. Diese "Cholesterintransporter" nennt man HDL oder "gutes" Cholesterin. Je höher der Anteil an "gutem" Cholesterin im Blut ist, desto geringer ist die Arterienverkalkung und desto weniger Herzinfarkte treten auf.
Die schützende Wirkung eines moderaten Bier- bzw. Alkoholgenusses macht sich auch bei Männern, die bereits einen Herzinfarkt hatten, bemerkbar. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im Jahre 1998 veröffentlicht wurde [Muntwyler J, CH Hennekens, JE Buring, JM Gaziano; The Lancet 352 (1998) 1882-85]. Demnach starben innerhalb von 5 Jahren deutlich weniger Männern, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten und anschließend wenig bis mäßig Alkohol tranken, verglichen mit denen, die selten oder gar keinen Alkohol tranken. Bier in Maßen ist also nicht nur für die Seele, sondern auch fürs Herz des Bierliebhabers ein Genuss.
Entsprechend der bereits zitierten Einsicht von Paracelsus gilt dies allerdings nur für mäßigen Alkoholgenuss; bei höheren Alkoholmengen steigt die Gesamtsterblichkeitsrate wieder an. Die niedrigste Gesamtsterblichkeit wiesen der Studie zufolge Männer mit einem durchschnittlichen Alkoholkonsum von 20 g bis maximal rund 40 g (ca. ½ bis 1 Liter Bier) pro Tag auf, bei Frauen liegt dieser Wert unter 20 g pro Tag (ca. bis ½ Liter Bier).
Auch die Furcht des Biertrinkers vor einem sich automatisch einstellenden "Bierbauch" ist unbegründet. Bier enthält nämlich weniger Kalorien als Wein, Sekt oder gar Schnaps. Auf ein Glas Bier (0,2 Liter) entfallen nur 90 kcal. Auf Wein und Sekt dagegen 155 bzw. 170 kcal pro 0,2 Liter. Auch im Vergleich mit anderen Getränken schneidet Bier nicht schlecht ab: es enthält nicht mehr Kalorien als beispielsweise Apfelsaft.
Doch Bier - gerne als "flüssiges Brot" bezeichnet und seit fast 500 Jahren nach dem Deutschen Reinheitsgebot gebraut - ist auch unter ernährungsphysiologischen Gesichtspunkten ein Lebensmittel auf das man nicht verzichten sollte.
Das im Bier enthaltene Malz wird aus keimender Gerste gewonnen und liefert leicht verdauliche Kohlenhydrate, aus denen der Körper schnell verfügbare Energie gewinnt. Für Gesundheit und Wohlbefinden sorgen die im Bier enthaltenen B-Vitamine. Diese gehören zu den Vitaminen, die der Körper nur in sehr geringen Mengen speichern kann.
Etwa 40 Gramm bzw. 50 Milliliter Alkohol sind in einem Liter Vollbier enthalten. Dem stehen rund 40 Gramm nicht-alkoholische Nährstoffe gegenüber wie Kohlenhydrate, Aminosäuren, Vitamine, organische Säuren, Mineralstoffe, phenolische Verbindungen sowie Hopfenbitterstoffe. Bier ist damit ernährungsphysiologisch ausgewogen.
Bier ist kein "leeres" Getränk, vielmehr ist der relativ niedrige Alkoholgehalt in eine Reihe physiologisch wertvoller Stoffe natürlicher Ernährung, wie Proteine, Vitamine und Mineralstoffe, eingebettet. Mit seinem Alkoholanteil wirkt sich Bier unter anderem auf folgende vier Organe aus (4-H-Regel):
Alkohol
steigert die Hirndurchblutung
erweitert die Herzkranzgefäße
erhöht die Harnausscheidung, da die Nierendurchblutung gefördert wird und
erweitert die Blutgefäße der Haut.
Obgleich all diese Fakten früher nicht bekannt waren, stellte Bier in der Volksmedizin seit vielen hundert Jahren ein wichtiges Arzneimittel dar. Gewürzbier wurde bei Magen- und Darmverstimmungen gegeben. Und bei Schlafstörungen wurde ein Bier-Honig-Trunk empfohlen, der mit Sicherheit weniger mit Nebenwirkungen belastet war, als so manches moderne allopathische Arzneimittel.